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Brot und Spiele - Das Hildebrandlied
1991

Im Jahr 1987 zeigt Kutscher anlässlich der Eröffnung der Schirn Kunsthalle Frankfurt einen Super-8-Film. Zu sehen ist, wie zwei mit Messer und Gabel bewaffnete Hände auf einem Teller um eine Kugel streiten und vergeblich versuchen, sie zu zerteilen. Dazu ertönt das um 800 entstandene Hildebrandlied in der altdeutschen Fassung, vorgetragen im Stil einer aktuellen Fußballreportage. Die Kombination aus Kampf und Schlachtenepos stellt eine Reaktion auf den Ausstellungsort dar. Den Massenbetrieb einer Kunsthalle vergleicht Kutscher mit einem geistigen Sportplatz, der an die Stelle der traditionellen „Brot und Spiele“-Veranstaltungen in den Vorläufern der Fußballstadien tritt. Die Art und Weise, sich als Nation sowohl über diesen Sport als auch über Sprache und Kultur zu definieren, weckt bei Kutscher Assoziationen an das älteste deutsche Schlachtenepos, das Hildebrandlied.

1991 greift Kutscher anläßlich einer Ausstellung in Lüneburg den Text und das Video dieser Veranstaltung in einem installativen Kontext erneut auf. Unter den Glasplatten von vier identischen Stahltischen installiert er jeweils vier Monitore, auf denen 16mal das Video „Brot und Spiele - Das Hildebrandlied “ zu sehen und zu hören ist. Die Tische - in Lüneburg als Anspielung auf das dort im Museum befindliche älteste deutsche Tischmöbel realisiert - stehen auf Rollen, um sie flexibel zusammenstellen zu können.

Mit dem Zusammenbruch des Sowjetsystems und der Wiedervereinigung Deutschlands hat sich die Weltpolitik, als deren Verkörperung der Streit von Messer und Gabel um die Kugel interpretierbar ist, verändert. Der Generationenkampf zwischen Vater und Sohn im Hildebrandlied nimmt die Gestalt des Verteilungskampfes zwischen Ost und West an und steht damit symbolisch für die neu ausgekämpften und aufgeteilten Weltverhältnisse. Zeitbezogen fließen auch neuere weltpolitische Entwicklungen in die Arbeit ein.

Im Sinne der Performance als „sozialer Service-Leistung“ will Kutscher den Besuchern zudem die Möglichkeit geben, an den Tischen zu sitzen und über das Gesehene nachzudenken.

Peter Forster

 
   
  Bread and Games - The Hildebrandlied, 1991

At the opening of the Schirn Kunsthalle Frankfurt in 1987, Kutscher presented a Super-8 film showing two hands on a plate armed with knives and forks battling over a round object and trying – unsuccessfully – to cut it apart. The soundtrack played an old-German version of the Hildebrandlied, an epic written circa, recited in the style of a play-by-play football broadcast. The combination of hand-to-hand combat and battle epic was a response to the exhibition site. Kutscher compared the large-scale operations of an art museum with an intellectual sports arena, which replaced traditional "bread and games" events in the early predecessors of modern football stadiums. The way in which a nation defines itself through this sport and through language and culture awakened in Kutscher associations with the oldest German battle epic, the Hildebrandlied.

In 1991, Kutscher again used the text and the video clip from that event in an installation context at an exhibition in Lüneburg. Beneath the glass tops of each of four identical steel tables he installed four monitors on which the video Brot und Spiele – Das Hildebrandlied could be seen and heard on a total of 16 different sets. The tables – realised in Lüneburg as an allusion to the oldest German tables exhibited in the collection of the museum in that city – were mounted on rollers so that they could be  easily moved about.

The collapse of the Soviet Union and the reunification of Germany changed the character of world politics, as represented in Kutscher's work by the battle with knives and forks. The battle of generations involving father and son in the Hildebrandlied assumed the form of the struggle for the control of territory between East and West and thus stood in a symbolic sense for the new world order that had been fought over and reconfigured. The work also incorporated more recent global political developments.

Conceiving performance as a "social-service", Kutscher also wanted to offer visitors an opportunity to sit down at the tables and think about what they were seeing.

Peter Forster