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Plenarsaalgebäude Hessischer Landtag, Wiesbaden, Plenarbereich (Plenarsaalwand, Rückwand, Lobbywand).
Einweihung im April 2008.
» Broschüre des Hessischen Landtags und des Museum Wiesbaden

 
hauptsache kultur, 24.03.2017, Filmbeitrag 2:09 Min | © hr  
   
   
   
     
  Ausführung der Glasmalerei durch „Glasmalerei Schillings“ » www.glaskunst-frankfurt.de  
Wettbewerb - Erläuterungsbericht:
Das neue Landtagsgebäude wirkt vor allem durch die Fensterschlitze in den Außenwänden originell und herausgehoben. Die aufgelockerte Fassadengliederung kann bei Sonnenlicht zu spannungsreichen Licht- und Schattenspielen im Innern führen, während das Kunstlicht nachts attraktive Lichtpunkte nach außen strahlt. Auch im „Herz“ des Gebäudes, dem  Plenarsaal sind diese besonderen Elemente im oberen Besucherbereich rundum sichtbar. Die bewusste Gestaltung des Lichtes durch die Architekten sind Ausgangspunkt für meinen Gestaltungsvorschlag:

Himmel über Hessen „Licht – gestalten“ Plenarsaalwand (Vorderseite)

a.) Hoheitszeichen

Zentral in der Mitte der Wand hinter dem Präsidium befindet sich eine rotgetönte, lasierte Abbildung des hessischen Löwen im Ausschnitt auf der Holzwand aus hellem Ahorn. Der Kopf des Löwen und seine Pranken erscheinen hinter Präsidium und Redner als Erkennungszeichen des Ortes.  Weitere durch die Vergrößerung ornamental wirkende Ausschnitte des hessischen Löwen sind links und rechts davon angeordnet und setzen sich teilweise auf der Rückwand fort. Er steht als Hoheitssymbol für die besondere Rolle des Versammlungsortes.  

b.) Himmel über Hessen

Aktuelle Darstellungen hessischer Landschaften:

Das vom Plenarsaal im oberen Bereich sichtbare architektonische Prinzip mit den Fensterschlitzen wird in der Plenarsaalrückwand aufgenommen und variiert.

8 Fensteröffnungen der selben Maße sind im lockeren Rhythmus links und rechts in den ornamentalen Ausschnitten des hessischen Löwen im oberen Bereich der Rückwand angeordnet. Auf den ersten Blick scheinen sich darin nur schmale, aquarellartige Streifenbilder zu befinden. Beim Betrachten aus der Nähe erkennt man die Signaturen und Lebensdaten großer hessischer Persönlichkeiten aus dem Kultur- und Geistesleben, sowie aktuelle Orts- und Zeitangaben.

Zur Malerei:
Ausgangsmaterial für diese Bilder sind Fotografien, die direkt an den jeweiligen Wirkungsstätten hessischer Persönlichkeiten gemacht wurden. Die Kamera wurde vor Ort in eine rasche Bewegung entlang des Horizontes geführt. Daher bestehen diese Fotografien  nur aus Farbstreifen. Sie zeigen die Farben des Himmels sowie Landschafts- oder Gebäudeteile. (Beispiel: Goethehaus Frankfurt). Das entstandene Bild ist bei aller Abstraktion eine Zusammenfassung des am historischen Ort zum Zeitpunkt der Aufnahme konkret vorhandenen Lichtes und der spezifischen Farbigkeit. Die von Geschwindigkeit und Bewegung bestimmte Landschaftsfotografie wird aus Haltbarkeitsgründen, aber auch zur Brechung des Mediums in Glasmalerei übersetzt. (Eine Variante mit einer dichten Reihe von je 25 Bildern links und rechts vom Löwen wäre denkbar. Die Originalfotoserien befinden sich in solcher Anordnung als vergrößerte Kontaktstreifen auf der Rückwand.)

c.) Licht - gestalten

Im Mittelpunkt der Demokratie steht der Mensch. Die auf ihn bezogenen Tätigkeiten in diesem Raum und das Menschenbild erhalten daher eine besondere Gewichtung. Langsam aufleuchtendes Licht hinter den zarten Landschaftsbildern von hessischen Orten und Himmeln lässt das lebensgroße s/w Porträt der dort einmal tätigen hessischen Persönlichkeit im Anschnitt und leicht unscharf durchscheinen und die Malerei zurücktreten. Die Zeitdauer der Anwesenheit der Personen, ihre Erscheinung sowie ihr Verschwinden ist variabel programmiert. Die Bilder sind in sich nicht bewegt und haben keine beleuchtende Funktion. Die Porträts verweilen in wechselnden Konstellationen und begleiten als stumme Zeugen der Vergangenheit das Geschehen im Plenarsaal. Ihr Erscheinen entspricht dem Rhythmus der täglich wechselnden Anwesenheit der Abgeordneten im Plenarsaal und dem sanften Wechsel des nach innen fallenden natürlichen Lichtes außen. Die Bildfenster öffnen den Blick nicht nach Innen oder Außen, sondern in den historischen Raum. Das Geschehen, die Auftritte und Diskussionen im Plenarsaal passieren also gleichsam unter den Augen der projizierten großen Geister der hessischen Kultur- und Geistesgeschichte. Goethe, Büchner und die Gebrüder Grimm stehen u.a. als Lichtgestalten für hessische Städte wie Frankfurt, Goddelau/Darmstadt, Hanau und Kassel und repräsentieren die Spannbreite der unterschiedlichen Haltungen.

Eines der Fenster bleibt bewusst immer unbespielt. Der Betrachters kann in Gedanken den Platz mit einer Person seiner Wahl besetzen und über die Offenheit der Interpretation geschichtlicher und zukünftiger Prozesse und Leistungen sinnieren.

Lobbywand:
Auf der Lobbywand befindet sich eine dichte Reihe aus ca. 40  schmalen Glasbildern mit den Signaturen und Lebensdaten weiterer hessischer Persönlichkeiten sowie den Entstehungsdaten der Himmelsbilder. Dahinter verbergen sich die dazugehörenden Porträtanschnitte. Einige Leerfenster sind dazwischengestellt. Aus diesem Panorama wird in regelmäßigen Abständen durch eine hessische Schulklasse die Auswahl der Persönlichkeiten für die Plenarsaalrückwand neu getroffen. Die Schüler sollten die Entscheidung für ihre Lichtgestalten nach einer Informationsphase durch Lehrer, kompetente Personen und Bücher im vorbereitenden Gespräch zum Abschluss (z.B. einer Regierungsperiode / eines Schuljahres) treffen und so ihr jeweiliges hessisches „Schattenkabinett“ zusammenstellen. So könnte der Keltenfürst vom Glauberg neben Max Beckmann, Bettina von Arnim, Theodor Adorno oder Max Horkheimer erscheinen. Es kann natürlich auch zu Wiederholungen und Übernahmen der Vorgängerentscheidungen kommen.

Plenarsaalwand (Rückseite), Dokumentation:
Auf der Rückseite der Plenarwand befinden sich vergrößerte Kontaktstreifen der Reise zu den Wirkungsstätten der hessischen Persönlichkeiten. Sie zeigen neben statischen Momentaufnahmen der Landschaften oder Gebäude die Streifenbilder, aus denen die Himmelsbilder ausgewählt wurden.

Technik:
Wand im Plenarsaal aus hellem Ahorn, wie die Tische. Die Wand erhält eine matte transparente Lackierung, auf der die rötliche Lasur aufgetragen wird (z.B. Lasurlack der Firma Clou aus Offenbach). Die Ausschnitte werden mit derselben Technik ausgeführt, die bei Standgestaltungen im Messebau üblich ist. LED- reihen hinter den Scheiben in der Mitte der Wand (24 Volt, 120 Grad, weiß, Dimmer, eine Steuerungseinheit). LED leuchten sind außerordentlich langlebig ( 50.000 Stunden) und von geringstem Verbrauch. Die LED- Bänder sind  nach Jahrzehnten einfach über Steckerverbindung und 2 Schrauben auszutauschen und fertig im Handel erhältlich. Ein kompletter Austauschsatz wird mitgeliefert. Im Plenarsaal wird eine in der Wand untergebrachte Steuerung die Beleuchtungswechsel automatisch regeln. Die Bilder im Lobbybereich sind unbeleuchtet, man sieht also nur die Streifenbilder mit den Signaturen und Texten. Die Farben auf den Glasscheiben werden eingebrannt, die Texte sind eingraviert. Eine milchige 4mm Plexiglasscheibe mit dem jeweiligen Porträt befindet sich dahinter. Die Scheiben werden als Element zusammen in schmalen, magnetisierten Edelstahlrahmen fixiert, sitzen bündig in der Wand und können einfach als Einheit herausgenommen und ausgetauscht werden. Der Austausch geschieht durch einfaches Hineinschieben in die dafür vorgesehenen passgenauen Öffnungen im Holz. Die LED- reihen sind durch die Öffnung von der Vorderseite her zugänglich. Auf der Rückseite befinden sich in ähnlichen, bündigen Edelstahlrahmen die vergrößerten Kontaktstreifen.

An der Lobbywand befindet sich eine Rahmenkonstruktion, in der sich alle anderen ca. 40 Himmelsbilder unhinterleuchtet befinden.

Auswahlverfahren:
Das genaue Verfahren bezüglich der Auswahl der Schulklasse, des Termins und der Wechsel sowie die Betreuung sollte mit dem Parlament und der hessischen Zentrale für politische Bildung abgesprochen werden. Die endgültige Auswahl der Persönlichkeiten in Abstimmung mit den Landtagsabgeordneten.

Neben der Repräsentation der diversen Orte und Persönlichkeiten Hessens und seiner Kultur- und Geistesgeschichte und seinem Hoheitszeichen setzt der Entwurf die verschiedenen Flächen im Plenarsaal und davor zueinander in formale und inhaltliche Verbindung. Er verstärkt die Besonderheit der Architektur und stellt eine Verbindung von einer speziell für diesen Entwurf entwickelten Technik mit klassischen Themen her. Er ist zugleich zurückhaltend sowie offen für immer wieder neue Konstellationen und bindet durch das Auswahlverfahren die heranwachsende Generation an den Ort ihrer zukünftigen politischen Entscheidungsprozesse.